Deutschland ist im Shoppingfieber

Deutschland ist im Shoppingfieber. So titulierte heute, am 28.01.2015, Spiegel Online: http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/gfk-konsumklima-verbraucherlaune-so-gut-wie-seit-november-2001-nicht-a-1015376.html

Demnach sind die Verbraucher in einer derartigen Kauflaune wie seit über 13 Jahren nicht. Grund dafür seien fallende Ölpreise und die Aussicht auf besseres Einkommen. Ich – das stand so nicht im Spiegel – hege zudem den leisen Verdacht, dass auch die kaum vorhandenen Kreditzinsen ein Stückchen zur Kaufeslust beitragen.

Anlass genug, mich mal wieder zu fragen, was die Menschen mit all dem Zeug wollen. Menschen, die sich gleichzeitig darüber beklagen, zu viel Stress und zu lange Arbeitszeiten zu haben. Menschen, die betonen, unbedingt zuhause entrümpeln zu müssen, den Kleiderschrank auf Vordermann bringen zu wollen, Menschen, deren Keller aus allen Nähten platzen und – vor allem – Menschen, die gleichzeitig sagen: Hach, die Arbeitsbedingungen für Textil- und sonstige Industrie sind ja wirklich katastrophal. Was treibt diese Leute an? Vermutlich ist es eine Art Herdentrieb – eine Art Dabei-sein-wollen: Wenn die Modewelt sagt, wir müssen nun mit blaugrün geringelt Klamotten herumlaufen, will ich dabei sein, will auch balugrün geringelte Klamotten – schießlich sind die rotrosa geringelten von vor einem Monat jetzt sowas von out. Gleichzeitig hört man Beschwerden, wie voll doch die Shoppingmeilen an Samstagen seien und dass es da nun wirklich keinen Spaß mache, einkaufen zu gehen. Ähhhh – die sind warum genau nochmal so voll? Ist es die Angst, dass es morgen nichts mehr gibt?

So, nun könnte man sagen: Was kümmerts mich, wenn es den Konsumenten Freude bereitet, ihre Freizeit mit Shoppen zu verbringen, geht mich das doch nun wirklich nichts an. Ich finde jedoch, es geht alle an. Der Brand in Bangladesh ist noch nicht so lange her, die Bedingungen haben sich nicht verbessert – die Produktion beispielsweise von Baumwolle braucht noch immer so viel Wasser, dass teilweise in den Ländern Wasserknappheit für die Menschen herrscht, diese Liste liese sich endlos fortsetzen – und irgendwie hege ich leise Zweifel, dass in erster Linie GOTS (http://www.global-standard.org/de/), Fair Trade etc. in den Einkaufswägen, Häusern und Wohnungen und – nicht allzulange Zeit später –  auf den Müllkippen landen. Ich würde zu gerne eine detaillierte Auflistung der Einkäufe sehen, doch fürche ich, dass der vielbeschworene bewusste Konsument noch immer eine Ausnahme ist.

© Denis Junker.jpg

© Denis Junker.jpg

Sorry, dies war ein sehr ausführlicher Beitrag, bei dem manchmal wohl emotional die Pferde mit mir durchgegangen sind. Einfallen würde mir zu diesem Thema jedoch noch viel mehr – auch zum absurden Zusammenhang der Konsumlaune mit dem Ölpreis – doch dies ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden ;-).

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7 Gedanken zu „Deutschland ist im Shoppingfieber

  1. widerstandistzweckmaessig

    Man muss nur einmal anfangen mit dem Kaufen aufzuhören. Dann ist alles ganz einfach.

    Leider machen es die meisten umgekehrt. Sie kaufen immer mehr und immer mehr und das ist die Steigerung ohne Ende.

    Ich kaufe seit 1 1/2 Jahren immer weniger und immer weniger und immer weniger. Und es geht mir gar nicht ab.

    Mit der eingesparten Zeit fällt mir viel ein, was ich statt dessen lieber mache!

    lg
    Maria

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  2. Marlene

    Hallo Frau ohne Schuhe & Maria,
    mir geht es auch so, seit ich bewusst weniger kaufe, ist nicht das nicht-kaufen, sondern das kaufen schwerer geworden. Ich hab den Verdacht, dass es nicht was mit Trend-folgen zu tun hat, sondern etwas mit sich selbst belohnen. Viele (ich nehm mich da nicht aus) belohnen sich an schlechten Tagen mit etwas neu gekauftem. Alternativ könnte man jetzt Süßes oder Salziges futtern, auch nicht gut. Es gilt also, eine andere Stressbewältigungslösung zu finden (Spazierengehen? Ein Bad nehmen? Ins Museum gehen? Lesen?) und die auch seinen Kindern vorzuleben (ich hab mich hier mal versucht zu dem Thema auszulassen: https://verrueckteshuhn.wordpress.com/2014/04/26/stichwort-konsum-wer-etwas-verandern-will-braucht-liebe-und-begeisterung/. Und auch toll finde ich den Artikel hier: http://green.wiwo.de/gehirnforschung-wer-gluecklich-ist-kauft-nicht/?utm_content=buffer703b2&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer
    Viele Grüße und ich freue mich, dass ich deinen Blog gefunden habe!
    Marlene

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  3. mathildatanzt

    Ha! Ich hätte auch gern Aussicht auf ein besseres Einkommen! Scheinbar arbeite ich im einzigen Laden der Welt, wo die Löhne niemals steigen 😦 Natürlich würde ich dann nicht mehr shoppen wollen. Aber eine Versicherung abschließen, etwas für Notfälle sparen… das wäre schon schön… Hach, voll am Thema vorbei. Zu dem sage ich: Amen Schwester

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  4. frauohneschuhe Autor

    ja, Mathilda. Grund für den Wahn ist wohl auch, dass Sparen und Anlegen sich bei der derzeitigen Zinslage nicht lohnt. Ich versteh ja, wenn man sich dann etwas Dauerhaftes und absehbar Notwendiges kauft, Möbel, Renovierungen oder so was… aber Klamotten???

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