Alles oder nichts?

Diese Woche habe ich mich des Öfteren gefragt, warum manche Menschen sehr reflektiert handeln, andere hingegen weder über die Umwelt noch über ihr eigenes Handeln großartig nachdenken. Und wie ist das eigentlich bei mir? Wie fing das Ganze an? Als Kind der 70er bin ich in der Grundschule (80er ;-)) nonstop mit Informationen über Atomkraftrisiken, Müllberge und Tierversuche versorgt worden. Und ich glaube, auch mein erstes Interesse an diesen Themen in genau dieser Zeit verorten zu können. Mit einer kleinen Clique haben wir damals für Greenpeace gesammelt, mit Erwachsenen über Atomkraft diskutiert, Altpapier fürs Recycling zusammengetragen – und den Sinn von Tierversuchen nie verstanden. Ebenso nie verstanden habe ich den einen Satz, den ich bereits seit Kindertagen kenne, und der mir auch heute immer wieder zu Ohren kommt: Du kannst doch eh nichts ändern, glaubst, du, das ändert irgendwas? Natürlich ändert persönliches Engagement was, immer! Es braucht nur genug Einzelne, und ich bin überzeugt davon, dass es diese irgendwann geben wird. Nie verstanden habe ich auch die Fleischesser, die der Meinung sind, sie möchten nicht wissen, wie das Tier gestorben ist – oder vorher gelebt hat, denn dann könnten sie kein Fleisch mehr essen. Zahlreiche Fragezeichen schweben bei derartigen Aussagen über meinem Kopf. Diese Logik wird mir wohl für immer verschlossen bleiben. Auch Schwarz-weiß-Denken kann ich oft nicht nachvollziehen. Ich weiß, ich bin nicht perfekt, niemand ist das. Oft genug bekommt man als Veganer jedoch zu hören: Dann darfst du aber auch nirgends hin fliegen, dies nicht machen, jenes nicht machen – und das von Menschen, die überhaupt keinerlei Engagement in Richtung Umwelt oder Tierschutz zeigen. Bitte? Warum darf ich das nicht? Wenn jeder in seinem ureigenen Bereich ein kleines Stückchen über seine Schmerzgrenze hinaus geht, ist meiner Ansicht nach viel gewonnen. Einer tut sich leicht mit Fleischverzicht, der nächste braucht nicht unbedingt ein Auto und wieder ein Dritter ernährt sich großteils durch Selbstversorgung. Woher kommt dieser Absolutheitsanspruch? Vermutlich lassen sich dann die Menschen leichter in irgendwelche Psychoschubladen einordnen…. Oder..ein ganz kleines bisschen, will man, indem man dem anderen vor die Nase hält, was er alles nicht macht, sein eigenes Gewissen beruhigen, weil man selbst ja gar nichts macht. Wie seht ihr das? Ich meine damit nicht den Fleischverzicht, sondern die Reaktionen auf alles, was irgendwie außerhalb der Reihe ist: Stricken? Machen nur Omas! Minimalismus? Luxusproblem! Müllreduktion? Ökospinnerei! Was sind eure Erfahrungen, die besten Sprüche?

Liebe Grüße

eine neugierige

Frauohneschuhe

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Ein Gedanke zu „Alles oder nichts?

  1. Stefan

    Einer der Klassiker, wenn man erwähnt, dass man vegan lebt, ist wohl der Spruch: „Ich esse ja auch nur wenig / kaum noch Fleisch.“ Oft sind kognitive Dissonanzen latent vorhanden, und nur wenige lassen daran rühren. Bewusstsein versetzt leicht in Unruhe. (Das ist menschlich.)

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