Hi und da im Hier und Jetzt

Fotolia: Urheber Trueffelpix

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Gefühlt – vielleicht ist das auch einer selektiven Wahrnehmung geschuldet – springt einem das Thema Achtsamkeit ganz penetrant an jeder Haus- bzw. Blogecke entgegen. Lebe im Hier und Jetzt, sei ganz im Augenblick, konzentriere dich auf den Moment! Und vor lauter Konzentrieren hat man dann selbigen Moment auch schon wieder verpasst.

Ohnehin scheint mir das vor allem ein Thema für verkopften Schreibtischtäter zu sein – in diese Zielgruppe würde ich eigentlich perfekt passen. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass meine Großeltern – als Bauern mit meist abwechslungsreicher körperlicher Arbeit beschäftigt und beruflich ihre eigenen Herren – sich jemals über Achtsamkeit Gedanken gemacht haben. Ihre Erwartungshaltung war auch nicht so hoch: Dach über dem Kopf, Essen gesichert, Mensch und Tier nicht lebensbedrohlich gefährdet – und gut wars. Und sie haben nicht über Dinge sinniert, die sie nicht beeinflussen können. Abhängig vom Wetter wussten sie auch nie, wie die Ernte ausfällt – ob es bei 35 Grad zur Kartoffelernte ging oder bei -10 Grad zum Holzmachen – erledigt werden musste es sowieso, da hat man nicht gegrübelt, wie denn morgen das Wetter wohl sei oder welche widrigen Umstände ansonsten auf einen zukommen könnten, sondern immer einfach an den nächsten Schritt gedacht.

Ihr könnt mich steinigen und federn, aber nix ist so langweilig wie der Moment! Ohnehin ist der Moment eine Illusion. Selbst wenn man sich im vielbeschworenen Flow befindet eine Zigstelsekunde ist der Kopf eben schon im nächsten Moment, sonst würde der Pinselstrich nämlich nicht weitergehen, wenn man bspw. malt. Ich denke, das ist unter anderem auch unserer menschelnden Biologie geschuldet. Selbst in tiefster Meditation braucht ein Gedanke – oder eben auch die Fokussierung auf den Atem oder sonst was – ein Miniminisekundenbruchstück, um eben an seinen bestimmten Ort zu gelangen.
Und trotz all des oben Geschriebenen bin ich – Achtung Geständnis – Nutzer einer Mediations-CD zum Einschlafen. Ich gebe es zu: Das monotone Geschwurbel der Sprecherin lullt mich in Nullkommanix in den Schlaf. Den gleichen Effekt hätte aber übrigens auch Herr-der-Ringe-Ansehen oder ein Fußballspiel des Lieblingsvereins meines Mannes.
Was haltet ihr vom Achtsamkeits“Trend“? Habe ich nur noch nicht die richtige Methode entdeckt?

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