Gelesen: Seneca – von der Kürze des Lebens

Jetzt habe ich mich dieses Jahr durch zig Minimalismus- und Achtsamkeitsbücher gelesen bzw. gekämpft. Dabei hätte es nur ein einziges Werk gebraucht. Und das ist fast 2.000 Jahre alt. Anscheinend hatten die Menschen auch schon zu Senecas Zeiten ein erhebliches Zeitproblem. De „brevitate vitae“ zielt genau darauf ab. Es ist egal, wie viele Jahre so ein Leben hat, wenn diese nicht gelebt werden, war es umsonst. Und mit Gelebtwerden meint Seneca keinesfalls umtriebige Geschäftigkeit! Gier, Ehrgeiz, Neid und Begierden, damit verschwenden gerade die „Reichen und Berühmten“ ihre Zeit – offensichtlich schon vor zwei Jahrtausenden. Die Lösung sieht er in der Muße. Doch Vorsicht vor zu schnellen Schlüssen: Sammeln von Gegenständen (!), Betrachten von Wettkämpfen, Körperpflege, Spielen, Sport, unwichtige Kunst oder Forschungen, Lernen um des Lernens Willen etc. gehören für den Philospohen nicht zur Muße. Also genau das, was wir gemeinhin als solche bezeichnen. Seneca meint, nur die Philosophie lehrt das richtige Leben, und auch nur dann, wenn sie ihrer Inhalte wegen stattfindet, nicht nur als Wissensanhäufung.

„Muße erfährt nur der, wer sich der Weisheit widmet. Ihm steht alles Gute der Vergangenheit jederzeit zur Verfügung“, schreibt er. Dazu gehören auch die Philosophien vergangener Zeiten, da ihre Weisheit unvergänglich ist. Allerdings kann man sich mit der Vergangenheit ja nur in der jeweiligen Gegenwart beschäftigen. Sei Fokus liegt also in der Gegenwart – die Zukunft ist ungewiss und soll daher nicht allzu wichtig genommen werden – denn – das Leben ist kurz. Ihr kennt ja sicher diesen tausend Mal gelesenen Spruch in Richtung, Gestern ist vorbei, morgen nicht sicher – also existiert ohnehin nur der Moment. Das ist bei Seneca ein Teil der Idee, erfasst aber nicht, was man denn mit eben diesem Moment anfangen soll. Und genau das hat mich bei diesem Achtsamkeitsgeschwafel (sorry!) immer leicht genervt. Ich bin jedenfalls sehr froh, endlich mal dieses kurze Werk gelesen zu haben. (Eine Schande, dass ich das nicht schon früher geschafft habe – vor laaaaaaaanger Zeit habe ich schließlich Philosophie studiert).

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Ein Gedanke zu „Gelesen: Seneca – von der Kürze des Lebens

  1. ichbindannmalminimal

    Ich habe auch in den ein oder anderen Büchern zum Thema Minimalismus, Achtsamkeit etc. gelesen, konnte aber für mich meist nur einen Art Bestätigung für das finden, was ohnehin schon tue. Seit dem ich erfahren durfte, wie es ist lange Zeit an ein Bett gefesselt zu sein und viele Dinge nicht mehr so machen zu können, kenne ich mich ganz neu. Ich kenne keinen Stress mehr, ich nehme mir die Zeit mich einfach mal auch nur umzuschauen und ein Sonnenaufgang kann mich inzwischen wieder gefühlte Stunden fesseln. Sich selbst die Ruhe geben zu können, die man braucht, auch mal nichts zu denken, das sind die ersten Schritte zur Achtsamkeit.

    Viel Erfolg !!!

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