Archiv der Kategorie: Leseecke

Gelesen im November: Das Beste, was wir tun können, ist nichts von Björn Kern

Der Hektik des Alltags entfliehen, Ruhe und Müßiggang – es scheint, gerade in der Vorweihnachtszeit beschäftigt das die Menschen. Viele Blogs haben derzeit genau dieses Thema. Doch so konsequent wie der Björn Kern zieht das kaum einer durch. Auch der Autor übt sich im Nichtstun. Und das auf herrlich ironische, witzige Weise. Ich habe das Buch in nullkommanix gelesen. Ganz bewusst vermeidet Kern jegliche Tätigkeit. Sein abbruchreifer Hof im Oderbruch ist für ihn der perfekte Ort fürs Nichtstun, auch wenn seine Freundin und sein Kind da teils anderer Meinung sind. Der Leser erfährt, wie man den Müßiggang ausgiebig zelebriert – und, dass es auch ein falsches Nichtstun gibt. Ein Ratgeber ist das Buch jedoch nicht – eher ein Erfahrungsbericht.

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Gelesen: Analog ist das neue Bio: Eine Navigationshilfe durch unsere digitale Welt von Andre Wilkens

Ironisch ist es schon, dass ich diese Buch auf einem E-Reader gelesen habe und jetzt darüber blogge. Dennoch: Ich glaube, Wilkens hat Recht, wenn er sagt, dass analog das neue Bio ist. War es vor hundert Jahren üblich, „bio“ zu essen, wurde es später ein Lebensstil und entsprechend teuer. Heute kann sich fast jeder ein digitales Leben leisten, doch der Autor geht davon aus, dass in Zukunft nur noch wenige bspw. analoge Reisen unternehmen können – oder wollen. Gleiches gilt für andere Erlebnisse im echten Leben. Wilkens führt uns die Datenkraken bildhaft vor die Augen und zeigt gleichzeitig Alternativen zur totalen Digitalisierung auf. Menschen, die neue alte Lebensstyle pflegen, besinnen sich (zurück) aufs Reparieren, statt wegwerfen, auf das Einkaufen in kleinen Läden vor Ort statt via Internet etc. Doch sind dies meist sehr gebildete Menschen und derzeit eine Minderheit. Ganz ähnlich wie bei den Anfängen von „Bio“.  Dabei verteufelt der Autor Digital nicht per se. Er appelliert auch an Europa und seine Regierungen, einerseits nicht alles Silicon Valley zu überlassen, andererseits schneller in der Gesetzgebung zu werden, um mit den rasanten Online-Entwicklungen stand zu halten. Auf jeden Fall enthält das Buch einige sehr interessante Denkanstöße, daher ein: empfehlenswert!

Gehört im Oktober: Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling

Auf meinem fast einstündigen Weg ins Büro sitze ich mit Kopfhörern in der S-Bahn und lausche Hörbüchern. Mit spannenden, bildenden oder lustigen Geschichten auf den Ohren startet so ein Werktag gleich ganz hervorragend – und man kann die hektischen Umgebungsgeräusche völlig ausblenden. Diese Woche fielen dabei einige entgeisterte Blicke meiner Mitreisenden auf mich. In der Bahn unvermittelt lauthals loszulachen sorgt doch für Erstaunen seitens der morgens meist nicht ganz so gut gelaunten Leidensgenossen. Bei den Känguru-Chroniken konnte ich allerdings unmöglich an mich halten. Hat mich der Titel zunächst überhaupt nicht gereizt – ein kommunistisches Känguru, was soll der Blödsinn? – bin ich hin und weg von dem Hörbuch. Skurril und sehr sehr schräg ist das Werk. Marc-Uwe Kling wohnt mit einem Känguru zusammen. Das Beuteltier ist eine richtige Nervensäge und Kommunist. Die Abenteuer der beiden sind herrlich bildhaft beschrieben und die Diskussionen, in die sie sich verstricken, strotzen nur so vor Wortwitz – und nehmen dabei doch auf eine sehr clevere Art unser heutiges Leben aufs Korn. Darauf eine Schnapspraline.

Gelesen 2017: 3. Kritik der Grünen Ökonomie von Barbara Unmüßig, Thomas Fatheuer und Lili Fuhr

Selbstverständlich ist das nicht erst das dritte Buch, das ich 2017 gelesen habe. Aber wie das so ist mit dem Zeitmanagement: gut Blogbeitrag will Weile haben oder so ähnlich.

Jedenfalls hat mich die Kritik der Grünen Ökonomie wütend gemacht. Ich halte mich ja für jemanden, der halbwegs im Bilde ist, was ökologische Bestrebungen angeht. Weit gefehlt. Wie viel Greenwashing hinter sogenannten modernen Konzepten tatsächlich steckt – darüber hat mir das Buch die Augen geöffnet. Der Grundgedanke, der Natur einen (Geld)Wert zuzuschreiben, mag gar nicht so verkehrt sein, was daraus entsteht, ist eher eine Art moderner Ablasshandel. Technologiegläubigkeit und Kapitalismus als Grundpfeiler, glaubt die Grüne Ökonomie, alles ließe sich durch Umverteilungen lösen, im Grunde könne man also weitermachen wie bisher. Wie immer geht das auf Kosten von ärmeren Ländern und Naturvölkern: Emissionszertifikate können munter ge- und verkauft, Umweltbelastungen durch das Pflanzen von Bäumen – egal wo – „wert“mäßig ausgeglichen werden, sodass es zu so skurrilen Produkten wie „grünem Uran“ kommen kann. Doch die Grüne Ökonomie scheint der einzige Weg zu sein, den unsere westliche Welt sieht. Konsumreduktion ist ja schließlich vermeintlich wirtschaftsfeindlich. Die vielen negativen Folgen der Grünen Ökonomie haben mich fassungslos gemacht. Und doch, so ganz loslassen will ich diese Idee nicht. Das ist das sprichwörtliche: Besser als gar nichts. Es bleibt zu hoffen, dass diese Art globalen Wirtschaftens nur eine Zwischenetappe auf dem Weg zu wirklicher Nachhaltigkeit ist.

 

 

Gelesen 2017: 2. Meistens alles sehr schnell von Christopher Kloeble

Wow! Endlich mal wieder eine richtig intelligente Geschichte. Fred, 60 Jahre alt und geistig behindert, hat nicht mehr lange zu leben. Sein Sohn Albert ist im Waisenhaus aufgewachsen. Die letzten Monate seines Vaters will er nutzen, um doch noch zu erfahren, wer seine Mutter ist und wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Fred Nachwuchs hat. Hinter dieser äußeren Rahmenhandlung entspinnt sich ein Geflecht aus historischem Roman, verzwickter Familiengeschichte und morbiden Ereignissen. Die auf fatale Weise miteinander verflochteneren Schicksale der Dorfbewohner, ein großer Tabubruch und die langsame Auflösung vieler Geheimnisse hinterlassen beim Leser gemischte Gefühle. Kloeble zeichnet die Charaktere seiner Figuren sehr feinsinnig und lässt sich dabei nicht verleiten, kitschig zu werden. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

 

Gelesen 2017: 1. Die sieben Tode des Max Leif: Ein Hypochonder-Roman

Wirklich  spät bin ich dieses Jahr mit meinem ersten Buch-Blogbeitrag dran. „Die sieben Tode des Max Leif: Ein Hypochonder-Roman“ von Juliane Käppler hat soeben meinen SUB verlassen. Max ist genau das Inbild eines Karrieretypen: Drei Autos, ein Konto voller Kohle und ein schmuckes Haus samt russischer Putzfrau – doch irgendetwas scheint mit ihm nicht zu stimmen. Es könnte die Tse-Tse-Fliege sein, oder doch vielleicht ein Tumor? Immer wieder treibt ihn die Todesangst zu seiner bärbeißigen Ärztin. Die Ursache entpuppt sich schließlich in einem ganz anderen Bereich, aber allzu viel verraten will ich  nicht.

Ich finde, das Buch beginnt sehr witzig. Man ist neugierig auf die Sorgen des Lebemanns Max – dass es nichts Ernstes sein kann, lässt ja der Titel bereits erahnen. So ist die erste Hälfte gespickt mit skurrilen Absurditäten, wegen derer der Yuppie immer wieder um sein Leben bangt. Dann allerdings lässt die Story meiner Ansicht nach ziemlich nach, zu vorhersehbar ist sie – auch was mit seinem Dobermann Hannibal passieren wird, ist ziemlich durchschaubar. Nett zwischendurch zu lesen – mehr aber auch nicht.

Gelesen Nr. 12: Time is honey. Vom klugen Umgang mit der Zeit von Karlheinz A. Geissler und Jonas Geissler

Zeit – was ist das überhaupt? Damit beschäftigt sich das Autoren-Vater-und-Sohn-Duo in Time is honey und stellt fest, dass es sich dabei keineswegs um das Phänomen handelt, das die Uhr anzeigt. Managen lässt sich diese Zeit nicht – wie auch? Jeder hat schließlich jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung. Beherrschen lässt sich die Zeit schon gar nicht, dieses trotzige Etwas! Heute leben wir keineswegs nach der Zeit und mit der Zeit, sondern lassen uns jeden Tag von Uhren diktieren, quasi als Takt. Die Autoren sehen das nicht nur negativ, sondern beschreiben verschiedene Wege, wann es sinnvoll ist, nach der Uhrzeit zu leben, und wann man einfach lieber die Zeit selbst bestimmen lassen sollte. Das Ganze spicken sie mit vielen Informationen aus Wissenschaft und Technik Habt ihr schon mal versucht, einen ganzen Tag lang – etwa einen Sonntag lang – nicht auf die Uhr zu schauen? Das ist gar nicht so einfach. Ein ganz wunderbares Buch mit vielen Inspirationen.