Archiv der Kategorie: Leseecke

Gelesen 2017: 3. Kritik der Grünen Ökonomie von Barbara Unmüßig, Thomas Fatheuer und Lili Fuhr

Selbstverständlich ist das nicht erst das dritte Buch, das ich 2017 gelesen habe. Aber wie das so ist mit dem Zeitmanagement: gut Blogbeitrag will Weile haben oder so ähnlich.

Jedenfalls hat mich die Kritik der Grünen Ökonomie wütend gemacht. Ich halte mich ja für jemanden, der halbwegs im Bilde ist, was ökologische Bestrebungen angeht. Weit gefehlt. Wie viel Greenwashing hinter sogenannten modernen Konzepten tatsächlich steckt – darüber hat mir das Buch die Augen geöffnet. Der Grundgedanke, der Natur einen (Geld)Wert zuzuschreiben, mag gar nicht so verkehrt sein, was daraus entsteht, ist eher eine Art moderner Ablasshandel. Technologiegläubigkeit und Kapitalismus als Grundpfeiler, glaubt die Grüne Ökonomie, alles ließe sich durch Umverteilungen lösen, im Grunde könne man also weitermachen wie bisher. Wie immer geht das auf Kosten von ärmeren Ländern und Naturvölkern: Emissionszertifikate können munter ge- und verkauft, Umweltbelastungen durch das Pflanzen von Bäumen – egal wo – „wert“mäßig ausgeglichen werden, sodass es zu so skurrilen Produkten wie „grünem Uran“ kommen kann. Doch die Grüne Ökonomie scheint der einzige Weg zu sein, den unsere westliche Welt sieht. Konsumreduktion ist ja schließlich vermeintlich wirtschaftsfeindlich. Die vielen negativen Folgen der Grünen Ökonomie haben mich fassungslos gemacht. Und doch, so ganz loslassen will ich diese Idee nicht. Das ist das sprichwörtliche: Besser als gar nichts. Es bleibt zu hoffen, dass diese Art globalen Wirtschaftens nur eine Zwischenetappe auf dem Weg zu wirklicher Nachhaltigkeit ist.

 

 

Gelesen 2017: 2. Meistens alles sehr schnell von Christopher Kloeble

Wow! Endlich mal wieder eine richtig intelligente Geschichte. Fred, 60 Jahre alt und geistig behindert, hat nicht mehr lange zu leben. Sein Sohn Albert ist im Waisenhaus aufgewachsen. Die letzten Monate seines Vaters will er nutzen, um doch noch zu erfahren, wer seine Mutter ist und wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Fred Nachwuchs hat. Hinter dieser äußeren Rahmenhandlung entspinnt sich ein Geflecht aus historischem Roman, verzwickter Familiengeschichte und morbiden Ereignissen. Die auf fatale Weise miteinander verflochteneren Schicksale der Dorfbewohner, ein großer Tabubruch und die langsame Auflösung vieler Geheimnisse hinterlassen beim Leser gemischte Gefühle. Kloeble zeichnet die Charaktere seiner Figuren sehr feinsinnig und lässt sich dabei nicht verleiten, kitschig zu werden. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

 

Gelesen 2017: 1. Die sieben Tode des Max Leif: Ein Hypochonder-Roman

Wirklich  spät bin ich dieses Jahr mit meinem ersten Buch-Blogbeitrag dran. „Die sieben Tode des Max Leif: Ein Hypochonder-Roman“ von Juliane Käppler hat soeben meinen SUB verlassen. Max ist genau das Inbild eines Karrieretypen: Drei Autos, ein Konto voller Kohle und ein schmuckes Haus samt russischer Putzfrau – doch irgendetwas scheint mit ihm nicht zu stimmen. Es könnte die Tse-Tse-Fliege sein, oder doch vielleicht ein Tumor? Immer wieder treibt ihn die Todesangst zu seiner bärbeißigen Ärztin. Die Ursache entpuppt sich schließlich in einem ganz anderen Bereich, aber allzu viel verraten will ich  nicht.

Ich finde, das Buch beginnt sehr witzig. Man ist neugierig auf die Sorgen des Lebemanns Max – dass es nichts Ernstes sein kann, lässt ja der Titel bereits erahnen. So ist die erste Hälfte gespickt mit skurrilen Absurditäten, wegen derer der Yuppie immer wieder um sein Leben bangt. Dann allerdings lässt die Story meiner Ansicht nach ziemlich nach, zu vorhersehbar ist sie – auch was mit seinem Dobermann Hannibal passieren wird, ist ziemlich durchschaubar. Nett zwischendurch zu lesen – mehr aber auch nicht.

Gelesen Nr. 12: Time is honey. Vom klugen Umgang mit der Zeit von Karlheinz A. Geissler und Jonas Geissler

Zeit – was ist das überhaupt? Damit beschäftigt sich das Autoren-Vater-und-Sohn-Duo in Time is honey und stellt fest, dass es sich dabei keineswegs um das Phänomen handelt, das die Uhr anzeigt. Managen lässt sich diese Zeit nicht – wie auch? Jeder hat schließlich jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung. Beherrschen lässt sich die Zeit schon gar nicht, dieses trotzige Etwas! Heute leben wir keineswegs nach der Zeit und mit der Zeit, sondern lassen uns jeden Tag von Uhren diktieren, quasi als Takt. Die Autoren sehen das nicht nur negativ, sondern beschreiben verschiedene Wege, wann es sinnvoll ist, nach der Uhrzeit zu leben, und wann man einfach lieber die Zeit selbst bestimmen lassen sollte. Das Ganze spicken sie mit vielen Informationen aus Wissenschaft und Technik Habt ihr schon mal versucht, einen ganzen Tag lang – etwa einen Sonntag lang – nicht auf die Uhr zu schauen? Das ist gar nicht so einfach. Ein ganz wunderbares Buch mit vielen Inspirationen.

Gelesen Nr. 11: Aussteigen – Light!: Ein familientauglicher Ratgeber wie man mit wenig Geld komfortabel lebt von Andreas N. Graf

Mit einem 400-Euro-Job bringt der Autor seine Familie durch – und das ganz komfortabel! Is klar, ne! Am Anfang war ich sehr gespannt, welcher Blödsinn mich in diesem Buch erwartet. Doch bereits die ersten Seiten zeigten: alles hat Hand und Fuß! Graf lebt unkompliziert, er hat ein Auto und sogar ein Haus. Und der promovierte Philosoph arbeitet nur 2-3 Stunden pro Werktag, beispielsweise als Putzkraft oder im Lager. Sozialleistungen nimmt er nicht in Anspruch. Die Anekdoten, wie er das schafft, sind sehr kurzweilig formuliert. Eine Menge Kreativität kommt darin zum Vorschein, wobei sich Graf nicht als Selbstversorger verstanden wissen möchte. Er beschreibt ganz einfach aus seinem Alltag, was das Buch und den Autor sehr sympathisch macht. Einiges davon fand ich völlig logisch, beispielsweise genau zu überlegen, was man von dem jeweiligen Gegenstand erwartet und, bevor man ihn sich anschafft, zu recherchieren, wie das nachhaltigstes Preis-Leistungsverhältnis erzielt wird. In dieses fließen dann auch Themen wie Langlebigkeit, Wartung und Reparaturfähigkeit ein. Anderes ist zwar für ihn – und seine Familie – kein Problem, wäre aber sicher für viele ein Schritt zu viel, beispielsweise heizt er mit Schwartenholz. Alles in allem finden sich unzählige Inspirationen und Anregungen. Die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall!

Gelesen: Zucker – Der heimliche Killer, Kurt Mosetter

Ich möchte hier kurz voranschicken, dass das Thema für mich nicht ganz neu ist. Vor diesem Hintergrund habe ich nicht sonderlich viel dazugelernt. Nichtsdestotrotz kann das Buch dazu anregen, mal zu überdenken, was man so alles in sich reinstopft – oft auch unwissentlich. Ich wusste beispielsweise nichts über den Zusammenhang von Zuckerkonsum mit einigen der beschriebenen Krankheiten. Und Galaktose als gesunder Ersatz war mir auch neu. Hingegen entlockte der Hinweis auf Stevia mir nur ein müdes Nicken. Der Autor scheint über ein sehr solides Fachwissen zu verfügen – und zeigt auf, wie auch Süßmäuler nicht verzichten müssen. Trotz Verzicht auf Industriezucker können also auch Naschkatzen auf ihre Kosten kommen.

Als Veggie war für mich der Rezepteteil komplett überflüssig, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass gerade dieser Part für viele der spannendere ist.

Gelesen: Miss Minimalist – Inspiration to Downsize, Declutter, and Simplify, Francine Jay

Die Autorin  Francine Jay ist auch die Betreiberin dieses Blogs, durch den ich mich gleich mal klicken werde http://www.missminimalist.com – aber zunächst zu ihrem Buch:

Scheußlicher Titel, noch scheußlicheres Titelbild. Dem abschreckenden Erscheinungsbild zum Trotz ist der Inhalt durchaus lesenswert. Vor allem der Abschiedsbrief an ihren “Clutter” fand ich sehr orginell. Humorvoll formuliert, ist das Buch voller Tipps zum Einstieg in den Minimalismus. Dabei hat mir vor allem auch gefallen, dass sie nicht etwa eine 100-Dinge-reichen-Philosophie vertritt, sondern vielmehr davon ausgeht, dass Minimalismus für jeden etwas anderes bedeutet, zum jeweiligen Leben passen muss. Bei Miss Minimalist musste sogar das Sofa dran glauben, einfach, weil sie keines braucht(e). Diese Dame würde ich gerne mal persönlich kennenlernen.